Grüne Logistik im Alltag: Wie Speditionen Emissionen senken können
Ein Lkw fährt mit halbleerem Laderaum zum Kunden und anschließend ohne Ladung zurück. Gleichzeitig wartet wenige Kilometer entfernt eine passende Sendung auf ihre Abholung. Solche Situationen zeigen, wo grüne Logistik im Alltag ansetzt: bei der Abstimmung von Aufträgen, Fahrzeugen und verfügbaren Informationen. Wer in einer Spedition Emissionen senken möchte, kann bereits mit besseren Abläufen beginnen.
Dazu gehören mehrere Ansätze. Das Umweltbundesamt beschreibt in seinem Forschungsbericht zum Umwelt- und Klimaschutz in der Logistik unter anderem Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung, effizientere Prozesse und alternative Antriebe. Für Beschäftigte in Disposition, Lager und Fahrdienst bedeutet das: Viele Entscheidungen können dazu beitragen, unnötigen Transportaufwand zu verringern.
Fahrzeugauslastung: Entscheidend ist, welcher Platz tatsächlich nutzbar ist
Eine bessere Auslastung kann helfen, dieselbe Warenmenge mit weniger Fahrten zu transportieren. Dafür müssen Sendungen zusammenpassen – räumlich, zeitlich und hinsichtlich ihrer Anforderungen.
Ein einfaches, fiktives Beispiel: Zwei Kunden möchten zehn beziehungsweise acht Paletten in dasselbe Gewerbegebiet versenden. Bisher werden dafür zwei Fahrzeuge eingesetzt. Lassen sich Abholzeiten und Lieferfenster abstimmen, könnten beide Sendungen gemeinsam auf einem geeigneten Fahrzeug mit 24 Palettenstellplätzen fahren. Rechnerisch wären damit 75 Prozent der Stellplätze belegt.
Diese Zahl allein reicht für die Entscheidung allerdings nicht aus. Schwere Ware kann die zulässige Nutzlast bereits ausschöpfen, obwohl noch Stellplätze frei sind. Leichte, sperrige Ware füllt dagegen den Laderaum, ohne die Gewichtsgrenze zu erreichen. Auch Stapelbarkeit, Achslastverteilung und Ladungssicherung begrenzen die Möglichkeiten.
Welche Informationen Beschäftigte brauchen
Für eine belastbare Planung sollten mindestens folgende Angaben vorliegen:
- Gewicht und Abmessungen der Sendungen
- Anzahl und Art der Ladungsträger
- Stapelbarkeit und besondere Transportbedingungen
- verfügbare Fahrzeugkapazität nach Gewicht und Raum
- Abholzeiten, Lieferfenster und Entladereihenfolge
Die Angaben müssen rechtzeitig stimmen. Wird erst beim Beladen erkennbar, dass eine Palette deutlich größer ist als angekündigt, lässt sich die geplante Bündelung möglicherweise nicht umsetzen.
Ein voller beladenes Fahrzeug verbraucht zudem nicht automatisch weniger Kraftstoff als ein leichteres. Der mögliche Vorteil entsteht vor allem dadurch, dass zusätzliche Fahrten entfallen oder mehr Ware mit einem ähnlichen Transportaufwand bewegt wird.
Leerfahrten reduzieren: Die Rückfahrt gehört zur Planung
Nach einer Auslieferung endet der Auftrag, aber das Fahrzeug muss weiterfahren. Deshalb sollte die Disposition möglichst schon bei der Hinfahrt prüfen, ob sich eine passende Rückladung organisieren lässt.
Angenommen, ein Fahrzeug liefert Ware aus dem Ruhrgebiet ins Rheinland. Für den Rückweg kommt eine Abholung in der Nähe des Empfängers infrage. Ob daraus eine sinnvolle Kombination wird, hängt von mehreren Fragen ab: Ist die Ware rechtzeitig bereit? Passt sie zum Fahrzeug? Reicht die verfügbare Einsatzzeit? Und wohin muss sie anschließend gebracht werden?
Eine Rückladung kann einen kleinen Umweg rechtfertigen, wenn dadurch an anderer Stelle eine zusätzliche Fahrt entfällt. Ein großer Umweg mit langer Wartezeit kann den Vorteil dagegen aufzehren. Weniger Leerfahrten sind deshalb ein Planungsziel, aber noch kein vollständiger Nachweis für weniger Emissionen.
Auch die Rückführung von Paletten, Behältern oder Verpackungen lässt sich in bestehende Touren einbauen. Dafür brauchen Disposition und Lager eine gemeinsame Übersicht über Mengen, Abholorte und Termine. Die Information „Leergut vorhanden“ ist weniger hilfreich als eine konkrete Angabe zu Anzahl, Platzbedarf und Abholbereitschaft.
Routen anpassen: Kilometer, Fahrzeit und Lieferfenster gemeinsam betrachten
Die kürzeste Strecke ist nicht unter allen Bedingungen die günstigste Wahl für den Energieverbrauch. Häufiges Anfahren, stockender Verkehr, Steigungen oder lange Standzeiten können eine Rolle spielen. Nachhaltige Transportplanung betrachtet deshalb die gesamte Tour.
Bei einer Auslieferung mit mehreren Stopps lässt sich beispielsweise prüfen, ob eine andere Reihenfolge unnötige Wege vermeidet. Dafür müssen die Öffnungszeiten der Warenannahmen bekannt sein. Ein räumlich günstiger erster Stopp hilft wenig, wenn das Fahrzeug dort eine Stunde warten muss.
Für die Tourenplanung sind insbesondere diese Informationen nützlich:
| Information | Bedeutung für die Entscheidung |
|---|---|
| Lieferfenster und erwartete Entladedauer | Verhindern schlecht abgestimmte Ankünfte und unnötige Wartezeiten |
| Fahrzeugmaße und Streckeneignung | Helfen, ungeeignete Zufahrten und spätere Umwege zu vermeiden |
| Verkehrslage und bekannte Baustellen | Ermöglichen eine realistischere Strecken- und Zeitplanung |
| Verbleibende Ladung nach jedem Stopp | Zeigt, ob weitere Abholungen in die Tour passen |
Ebenso wichtig sind Rückmeldungen aus dem Fahrdienst. Wenn eine Entladung regelmäßig länger dauert als geplant oder eine Zufahrt nur eingeschränkt nutzbar ist, sollten diese Erfahrungen in die Stammdaten einfließen. Eine Planungssoftware kann nur mit den Informationen arbeiten, die ihr zur Verfügung stehen.
Verkehrsträger kombinieren: Die gesamte Transportkette prüfen
Bei geeigneten Transporten lässt sich der Lkw mit Bahn oder Binnenschiff verbinden. Im kombinierten Verkehr werden beispielsweise Container oder geeignete Wechselbehälter auf längeren Abschnitten per Zug transportiert. Der Lkw übernimmt die Abholung und Zustellung zwischen Betrieb und Umschlagterminal.
Für eine Spedition in Nordrhein-Westfalen kann es sinnvoll sein, regelmäßig wiederkehrende Warenströme auf solche Möglichkeiten zu prüfen. Besonders gut untersuchen lassen sich Verkehre mit planbaren Mengen und verlässlichen Terminen.
Vom Absender bis zum Empfänger rechnen
Die Entscheidung braucht mehr als einen Vergleich der Hauptstrecken. Einbezogen werden müssen auch die Fahrten zum Terminal und vom Zielterminal zum Empfänger, die Umschlagvorgänge und mögliche Wartezeiten. Lange Vor- und Nachläufe oder zusätzliche Fahrten können einen erwarteten Klimavorteil verkleinern.
Beschäftigte benötigen dafür Angaben zu:
- verfügbaren Verbindungen und tatsächlich buchbaren Kapazitäten
- Annahmeschluss, Abfahrtszeiten und gesamter Transportdauer
- Eignung der Ladeeinheiten für den Umschlag
- Entfernungen im Vor- und Nachlauf
- Emissionen der vollständigen Transportkette
Auch die Versorgung des Kunden gehört in die Prüfung. Eine Lösung, die regelmäßig zusätzliche Expressfahrten erforderlich macht, muss einschließlich dieser Fahrten bewertet werden.
Fortschritte mit passenden Kennzahlen überprüfen
Ob eine Maßnahme wirkt, zeigt sich im Vergleich von Planung und tatsächlichem Ablauf. Ein überschaubarer Einstieg ist, für eine wiederkehrende Verbindung über mehrere Wochen Fahrzeugkilometer, Leerkilometer, transportierte Mengen und Energieverbrauch zu erfassen.
Dabei erfüllen Kennzahlen unterschiedliche Aufgaben. Der Anteil der Leerkilometer zeigt, wie häufig Fahrzeuge ohne Ladung unterwegs sind. Die Auslastung macht sichtbar, wie gut Gewichtskapazität oder Laderaum genutzt werden. Der gesamte Energieverbrauch hilft zu beurteilen, ob der Aufwand insgesamt sinkt.
Für eine Klimabewertung lassen sich daraus mit geeigneten Emissionsfaktoren Treibhausgasemissionen berechnen. Werden diese als CO₂-Äquivalente angegeben, werden verschiedene Treibhausgase in einer gemeinsamen Größe ausgedrückt. Entscheidend ist, bei Vergleichen dieselben Berechnungsgrenzen zu verwenden und Annahmen offenzulegen.
Sinkende Emissionen je transportierter Tonne bedeuten außerdem nicht zwangsläufig, dass die Gesamtemissionen zurückgehen. Bei stark wachsenden Transportmengen können sie trotzdem steigen. Beide Größen verdienen deshalb Aufmerksamkeit.
Im Praktikum und in der Weiterbildung an echten Abläufen lernen
Grüne Logistik lässt sich gut anhand einer konkreten Tour vermitteln. Lernende können untersuchen, welche Sendungen zusammenpassen, weshalb eine Rückfahrt leer bleibt und welche Angaben für eine andere Planung fehlen.
Eine praktische Aufgabe besteht darin, für eine bestehende Tour eine Alternative auszuarbeiten: andere Stoppfolge, gebündelte Sendungen oder eine passende Rückladung. Anschließend werden Strecke, Zeitbedarf, Auslastung und Transportanforderungen verglichen. Die Alternative muss im Betriebsalltag durchführbar sein.
So wird sichtbar, wie Lager, Disposition und Fahrdienst zusammenwirken. Präzise Sendungsdaten, früh gemeldete Verzögerungen und dokumentierte Erfahrungen schaffen die Grundlage dafür, dass aus einer guten Idee eine verlässlich bessere Transportplanung wird.